Vor 35 Jahren erhielt die Oberlinschule die Genehmigung als Schule in freier Trägerschaft. Dieses Jubiläum beging sie am 25. Februar 2026 mit einem Festakt im Beisein von rund 150 geladenen Gästen aus Politik, Bildung, Kirche und Gesellschaft sowie Schüler:innen und Mitarbeitenden. Staatssekretär Hendrik Fischer (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg) und Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel sprachen Grußworte. In einer Gesprächsrunde erinnerten Zeitzeug:innen an die bewegte Gründungszeit nach der Wiedervereinigung.
Die Bestätigung der Konzeption durch das Ministerium für Bildung vom 2. Oktober 1990 – einen Tag vor der deutschen Einheit – markierte einen Paradigmenwechsel: Die in der DDR praktizierte Unterscheidung zwischen „bildungsfähig“ und „nicht schulbildungsfähig“ wurde aufgehoben. Die „Polytechnische Oberschule für Körperbehinderte“ in Verantwortung des Magistrat Potsdam wurde nach 38 Jahren in die Trägerschaft des Oberlinhaus zurückgegeben. Auf Grundlage eines frühzeitig erarbeiteten Konzepts für eine Schule für mehrfachgeschädigte Kinder und Jugendliche übernahm die Oberlinschule Verantwortung für junge Menschen, die zuvor keinen Zugang zu schulischer Bildung hatten.
Bildungsstaatssekretär Hendrik Fischer: „Die frühen 1990er Jahre waren eine Zeit des Um- und Aufbruchs. Allen Kindern und Jugendlichen Bildung zu ermöglichen und ihnen Teilhabe und Selbstbestimmung zu sichern, war damals eine Vision – heute ist sie glücklicherweise ein zentrales Element unserer Bildungslandschaft, aus der die Oberlinschule nicht mehr wegzudenken ist. Hier werden Kinder und Jugendliche individuell gefördert, ihre Stärken gestärkt und eine unterstützende Lernumgebung geschaffen. Ich danke dem Träger und der Schulleitung, den Lehrkräften und allen Mitarbeitenden für ihr besonderes, sinnstiftendes Engagement.“
„Das war mehr als eine organisatorische und pädagogische Aufgabe. Es war ein klares Bekenntnis zur Würde und zu den Rechten jedes einzelnen jungen Menschen – und zugleich ein Meilenstein für echte Teilhabe“, sagte Katrin Rosenbaum, seit 2023 Schulleiterin und Geschäftsführerin der Oberlinschule. Mit Beginn des Schuljahres 1991/92 startete die Beschulung auch für schwerstmehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche. Eine Einschulung war bis zum 18. Lebensjahr möglich, die Schulzeit konnte in Einzelfällen bis zum 25. Lebensjahr dauern – um versäumte Bildungsbiografien aufzufangen. Zunächst fand der Unterricht mangels geeigneter Räume in den Wohnstätten in der Karl-Marx-Straße statt.
Im Februar 1991 erfolgte die vorläufige Anerkennung als genehmigte Ersatzschule, 1992 wurde die Oberlinschule staatlich anerkannte Ersatzschule. 1998 bezog sie nach umfassender Sanierung das ehemalige städtische Krankenhaus auf dem Stammgelände des Oberlinhaus in Potsdam-Babelsberg. Nach vielen Jahren intensiver Vorbereitung und Planung wurde im Jahr 2011 in unmittelbarer Nähe zum Altbau ein großzügiger Schulneubau eingeweiht. Vollständig barrierefrei und an die pädagogischen Bedarfe angepasst, ist der Bau ein wichtiger Aspekt der Schulentwicklung.
Heute lernen hier rund 330 Kinder und Jugendliche. Sie kommen aus zehn Brandenburger Landkreisen und Berlin. Als einzige Ganztagsschule in freier Trägerschaft übernimmt die
Oberlinschule die Pflichtbeschulung für Potsdamer Schüler:innen mit den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten körperlich-motorische Entwicklung, Autismus und Hörsehbehinderung.
35 Jahre nach ihrer Genehmigung steht die Oberlinschule für gelebte Teilhabe und für einen Bildungsauftrag, der durch die UN-Behindertenrechtskonvention weiter gestärkt wurde.
Zugleich bleibt die Frage nach chancengerechter Bildung hochaktuell. Mit dem Festakt wollte die Oberlinschule innehalten, auf ihre Entwicklung zurückblicken und die erreichten Fortschritte würdigen. „Ein Blick in unsere Geschichte mahnt, das Erreichte zu sichern, weiterzuentwickeln und demokratische Grundwerte entschlossen zu verteidigen. So schaffen wir die Grundlage für gleichberechtigte Teilhabe“, betonte Katrin Rosenbaum.












