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„Der singende Schulleiter“

Dr. Uwe Plenzke ist seit über 25 Jahren in unserer Oberlinschule tätig. Er begann seine Laufbahn als Musiklehrer und wurde einige Jahre später zum Schulleiter berufen. Wir sprachen mit ihm über seine Zeit bei uns.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?
Als ich zu Beginn in der Sprachtherapie tätig war, gab es viele Schüler, die kaum oder gar nicht sprechen konnten. Die 90er Jahre waren die Anfangszeit auch für technische Kommunikationshilfen, mit denen Schüler erstmals das Sprechen ermöglicht wurde. Das war schon bewegend, als die ersten unserer Schülerinnen und Schüler auf diese Weise zum ersten Mal eine eigene Stimme bekamen. Jetzt ist die „Unterstützte Kommunikation“ mit Talkern usw. zum Glück schon längst etabliert. Was mich immer wieder aufs Neue beeindruckt, ist das besondere Klima unserer Schule, der besondere Zusammenhalt im Kollegium. Dass es uns zusammen gelungen ist, so eine Schule an so einem wichtigen und schönen Standort aufzubauen. Wo vorher ein staubiger Platz, eine alte Baracke war, begannen wir im Jahr 2009 unseren Schulneubau und feierten 2011 die Einweihung. Zu jeder Zeit bringt sich das Kollegium mit aller Kraft und vielen Ideen für unsere Schüler ein. Wir sind ein stabiles Team aus inzwischen 160 Mitarbeitenden. Einige davon sind sogar länger hier als ich und arbeiten nicht selten 30 oder sogar schon 45 Jahre lang hier. Und dann denke ich natürlich an all unsere schönen Feste und Feiern mit viel Musik und buntem Programm. Unser ehemaliger Bildungsminister Günter Baaske begrüßte mich mit den Worten: „Ach – da kommt ja der singende Schulleiter!“.

Hat sich die Schülerschaft verändert in den 25 Jahren?
Wir hatten früher eine höhere Anzahl von Schülern mit einer schweren körperlichen Mehrfachbehinderung. Wir haben deutlich mehr Schüler mit einer zusätzlichen psychiatrischen Diagnose wie Beziehungs- und Angststörungen, Depressionen und anderen Störungen. Auch Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen gibt es mehr. Das liegt zum Teil daran, dass die Diagnostik insgesamt genauer geworden ist. Was früher manchmal unspezifische Behinderungsbilder waren, das kann man heute schon medizinisch genau einem Syndrom oder einem genetischen Defekte zuordnen. Auch die Zahl der Schüler mit einer Epilepsie oder Stoffwechselerkrankung hat sich deutlich erhöht.

Wie stehen Sie mit Ihrer langjährigen Erfahrung zum Thema Inklusion?
Wenn wir über die UN-Behindertenrechtskonvention und über Menschenrechte im Allgemeinen sprechen, bin ich für das Ziel der Inklusion. Das gemeinsame Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ist ohne Frage eine Bereicherung. Aber spezifische Bedarfe der Förderung müssen fachlich professionell umgesetzt werden. Welche Bedarfe und fachlichen Kompetenzen brauchen Kinder und Jugendliche mit Hörbeeinträchtigung, mit Sehbehinderung, mit kognitiven Beeinträchtigungen, mit Autismus oder mit emotional sozialen Förderschwerpunkten? Zum Vergleich: Wir haben eine hochdifferenzierte Gesellschaft, z.B. verschiedene Rechtsanwälte, Ingenieure und Ärzte für verschiedene Fachgebiete. Auch im schulischen Bereich halte ich diese hohe Differenzierung für erforderlich. Und das nicht nur fachbezogen auf Fächer wie Mathematik, Physik, Geografie, Deutsch oder Musik – sondern auch bezogen auf die Fachkompetenz für die Förderschwerpunkte Hören, Sehen, geistige Entwicklung oder emotional soziale Entwicklung. Und deshalb haben diese spezifischen fachlichen Angebote – auch weiterhin in Förderschulen – aus meiner Sicht ihre Berechtigung.

Mit Blick nach vorn: Was wollen Sie als Schulleiter der Oberlinschule unbedingt noch erreichen?
Ich habe jetzt noch 3 Jahre bis zu meinem Dienstende. Tatsächlich wurden vor kurzem schon 2 meiner Herzenswünsche erfüllt: Zum einen der Bauernhof Adamek als besonderer Lernort für unsere Schülerinnen und Schüler. Zum anderen die Brückenklasse, die gerade von 6 Schülern mit ganz besonderem Unterstützungsbedarf besucht wird. Offen ist noch mein Wunsch, die Stadt Potsdam als Kooperationspartner beim Aufbau einer neuen Integrationsschule zu begleiten. Hier würden wir gern unsere Fachlichkeit und Erfahrungen der vergangenen Jahre mit einbringen.

Pressestelle Oberlinhaus