Lebenswelten  |  Pressemitteilung

Oberlinhaus eröffnet neue Inobhutnahme-Stelle für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung

Das Oberlinhaus hat seine neue Inobhutnahme- und Clearingstelle in Potsdam-Babelsberg feierlich in Betrieb genommen.

Ab Anfang 2026 bietet die barrierefreie Einrichtung Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung, die aufgrund einer akuten Gefährdungslage in Obhut genommen wurden, einen geschützten Ort sowie professionelle Betreuung rund um die Uhr. Im Rahmen der Eröffnung wurde auch ein symbolischer Spendenscheck an die neue Einrichtung übergeben. Bei verschiedenen Aktionen konnten in der Vergangenheit fast 60.000 Euro an Spendengeldern eingeworben werden.

Für die Region stellt dieses Angebot eine bislang fehlende und wichtige Ergänzung dar. Die Konzeption der Einrichtung wurde 2021 angestoßen, der Baubeginn erfolgte im Januar 2025. Insgesamt stehen sechs Plätze für junge Menschen im Alter von vier bis 18 Jahren zur Verfügung. Allein im Jahr 2024 registrierte die Landeshauptstadt Potsdam 121 Inobhutnahmen – darunter neun Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Geeignete, barrierefreie Schutzräume für diese Zielgruppe sind bislang kaum vorhanden. Mit der neuen Einrichtung stellt das Oberlinhaus eine spezialisierte Anlaufstelle bereit, die den Jugendämtern eine dringend benötigte Unterbringungsoption bietet.

„Mit dieser neuen Inobhutnahme-Stelle schaffen wir – gemeinsam mit der Stadt Potsdam – einen Schutzraum, den es in der Region bislang nicht gab. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung benötigen im Krisenfall eine Unterbringung, die auf ihre besonderen Bedarfe eingeht – barrierefrei, fachlich hochqualifiziert und unmittelbar verfügbar. Genau diese Lücke schließen wir jetzt. Die Einrichtung stellt damit einen zentralen Baustein dar, um den Schutz junger Menschen im Land Brandenburg nachhaltig zu stärken“, erklärt Juliane Höpfner, Geschäftsführerin der Lebenswelten im Oberlinhaus.

Räumlichkeiten und Konzept

Der Neubau umfasst rund 550 Quadratmeter Innenraum sowie etwa 800 Quadratmeter Außenfläche. Die Kinder und Jugendlichen leben jeweils in einem eigenen Zimmer mit kindgerechter Ausstattung. Sämtliche Räume sind barrierefrei gestaltet, einige Zimmer sind zudem mit Pflegebetten ausgestattet. Ergänzend stehen drei Bäder – eines davon mit pflegerischer Ausstattung – sowie eine große Gemeinschaftsküche, ein Aufenthaltsraum und ein Wahrnehmungsraum als Rückzugsort zur Verfügung.

Die pädagogisch-therapeutische Arbeit orientiert sich eng an den individuellen Bedürfnissen der jungen Menschen. Ein multiprofessionelles Team von rund 20 Mitarbeitenden aus acht Professionen – darunter pädagogische und psychologische Fachkräfte, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger:innen sowie Sozialarbeiter:innen – wird die Kinder individuell begleiten und auch auf eventuell notwendige pflegerische Bedarfe eingehen. Für den weiteren Teamaufbau sucht das Oberlinhaus zusätzliche qualifizierte Fachkräfte, die sich für den Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung einsetzen möchten. Konkrete Informationen dazu gibt es hier: https://werde-oberliner.de/

Ablauf der Inobhutnahme und Finanzierung

In der Einrichtung werden Kinder aufgenommen, die sich in akuten Krisen befinden und Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch im familiären Umfeld erlebt haben. Die Unterbringung dient ausschließlich als Übergangslösung. Ziel ist es, das Kind möglichst wieder in das familiäre Umfeld zurückzuführen, sofern sich die häusliche Situation stabilisiert. Andernfalls wird eine geeignete Anschlussunterbringung – etwa in einer Pflegefamilie oder in einer stationären Wohngruppe – vorbereitet. Der Aufenthalt in der neuen Inobhutnahme-Stelle ist auf maximal drei bis sechs Monate ausgelegt.

Die Baukosten belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt aus Eigenmitteln des Oberlinhaus sowie Mitteln der Landeshauptstadt Potsdam. Die Betriebskosten für die einzelnen Plätze tragen die zuständigen Jugendämter, die die Inobhutnahme veranlassen. Dies ist bundesweit möglich.