Entfaltung der Gründungsidee

1871 wurde in Berlin der Verein Oberlinhaus gegründet, benannt nach dem elsässischen Sozialreformer Pfarrer Johann-Friedrich Oberlin (1740-1826). Er hatte sich in seiner Satzung der Betreuung und Bildung von kleinen Kindern verpflichtet. Wesentliche Ziele des Vereins waren zu Beginn die Förderung und Einrichtung von Kleinkinderschulen und die Gemeindepflege sowie die Ausbildung von entsprechenden Fachkräften.

1874 entschied der Verein Oberlinhaus, in Nowawes (heute Babelsberg), eine Kleinkinderschule einzurichten. Zunächst wurde dazu ein Haus in der heutigen Garnstraße angemietet. Schon bald wurden diese Räumlichkeiten zu klein. Daher wurde der Bau eines geräumigen Hauses beschlossen, welches dann 1878 eröffnet wurde (Mutterhaus). Das Gebäude überragte die seinerzeit üblichen kleinen Weberhäuser am Ort um ein Vielfaches und setzte damit ein Zeichen der sozialen Mitverantwortung. Die Situation der Bewohner von Nowawes in dieser Zeit war katastrophal. Durch die zunehmende Industrialisierung verarmten sie. Die traditionelle Handweberei wurde von Maschinen abgelöst, Handarbeit an Webstühlen wurde immer weniger gebraucht. Es gab weder eine medizinische Versorgung am Ort noch Einrichtungen für die Kinder der Arbeiterfamilien.

Mit der Berufung des ersten Vorstehers, Pastor Theodor Hoppe (1846-1934) und Thusnelda von Saldern (1840-1912) zur Oberin, entstand ein Diakonissen-Mutterhaus Kaiserwerther Prägung. Die Frauen, die im Oberlinhaus arbeiteten oder im Seminar ausgebildet wurden, konnten der neu gegründeten Diakonissen-Schwesternschaft beitreten. Sie zählte im Jahre 1900 bereits 188 Schwestern.

Um der sozialen Not zu begegnen, eröffnete der Verein Oberlinhaus 1881 im Mutterhaus eine Poliklinik, 1883 eine Kinderkrippe und 1888 eine erste Krankenstation. Aufgrund der knappen Räumlichkeiten war die Krankenstation nur für Kinder und Frauen vorgesehen. Betreut wurden sie von jungen Militärärzten aus Potsdam. Der Missstand, dass ein Ort von der Größe wie Nowawes keinen Arzt hatte, bewog den Vorstand des Oberlinhaus dazu, sich mit einzelnen Fabrikbesitzern in Verbindung zu setzen, um die nötige finanzielle Sicherheit für die Niederlassung eines Arztes zu erreichen. Mit der Niederlassung eines Arztes wurde gleichzeitig die richtungsweisende Einheit von Krankenpflege und Kleinkinderschule geschaffen.

Das Wachsen des Ortes Nowawes machte bald den Bau eines Krankenhauses dringend notwendig. Mit Hilfe von Spenden konnte der Verein Oberlinhaus auf seinem eigenem Grundstück am 20. Oktober 1890 das erste Krankenhaus in Nowawes mit 45 Betten eröffnen.